Wohnumfeld
Die Generation der "neuen Alten" ist heute gesünder, materiell besser ausgestattet und lebensfreudiger als jede Vorgängergeneration.
Zu diesem Ergebnis kommt eine grosse volkswirtschaftliche Studie der Allianz - Gruppe zum Thema "Wohnen im Alter".
Was sind die Grundlagen für diese Studie und inwieweit hat das Ergebnis Auswirkungen auf die zukünftigen Anforderungen und Bedürfnisse der älteren Generation, aber auch auf das Angebot am Markt?
Eine gesunde Lebensweise und insgesamt eine steigende Lebenserwartung verschieben die Altersgrenzen für die Pflegebedürftigkeit immer weiter hinaus. Dabei darf aber das Thema der Alterung nicht ständig mit Krankheit und Senilität in Verbindung gebracht werden.
Das Eintrittsalter in eine Pflegeeinrichtung hat sich in den letzten Jahren immer weiter nach hinten verschoben. Mit 80 Jahren liegt das Pflegerisiko bei ca. 20%.
Vorher jedoch, das belegt auch eine deutschsprachige Grossbefragung der Unversität Basel, ist die überwiegende Mehrheit der heutigen Rentnergeneration mit ihrer Wohnsituation überaus zufrieden und will nach Möglichkeit in der derzeit genutzen Immobilie verbeiben.
Fast alle tun dies auch, selbst wenn dies mit zunehmendem Lebensalter beschwerlicher werden sollte.
Was hat dies für Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, die Wohnsituation und den Bedarf an Service - und Dienstleistungsangeboten?
Als erstes sollte in dem Zusammenhang die finanzielle Situation der "neuen Alten" genauer getrachtet werden.
Die Vermögenssituation der Älteren ist "beachtlich". Vom Gesamtgeldvermögen entfallen 35% auf die Generation der über 60-jährigen. Fasst man die Gruppe weiter und rechnet alle über 50-jährigen hinzu, so entfallen sogar 61% des gesamten Geldvermögens auf die Älteren, lt. Allianz Studie.
Diese Fakten belegen, dass bei dieser Gruppe ein erhebliches Potential an Kaufkraft besteht.
Rentner haben laut Allianz an ihrer Wohnsituation kaum etwas auszusetzen. Ihre Umzugsbereitschaft ist gering, Probleme mit der Wohnfläche sind kaum vorhanden und die finanzeille Belastung durch Wohnkosten wird als unterdurchschnittlich eingeschätzt. Dies gilt besonders für Rentner, die Eigentümer ihrer Immobilie sind.
Damit einhergehend kommt auch dem Quartier respektive der Gemeinde eine grosse Bedeutung und Symbolik, in emotionaler Beziehung, zu. Eine sozial nachhaltige, altersgerechte Planung heisst auch altersgerechte Stadt - und Quartiersentwicklung - die Stadt als Umfeld für ausserfamiliäre, intergenerative Begegnung mit einem entsprechenden Angebot - , sowie die Förderung von entsprechendem Wohnraum.
Um aber bis ins hohe Alter in der gewohnten Umgebung leben zu können, sind erhebliche Anpassungen erforderlich. Beginnend mit einer altersgerechten Instandhaltung wie auch Bewirtschaftung der Immobilie.
So dürfte z. B. die körperlich anstrengende Gartenarbeit im fortgeschrittenen Alter nicht mehr so leicht zu bewältigen sein. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch von Älteren nach kleineren Hilfstätigkeiten, wie Putzen, Einkaufen, Behördengänge und Waschen, die das tägliche Leben erleichtern.
Leider ist dieser Wunsch faktisch nicht so einfach umsetzbar, da es am Markt an dem entsprechenden Dienstleistungsangebot mangelt.
Zusammenfassend ist anzumerken :
Der Wunsch im Alter im gewohnten Umfeld zu verbleiben, ist mit ca. 80% bei den Befragten überdurchschnittlich hoch. Nicht nur aus emotionalen Überlegungen heraus, sondern sie fussen auch auf dem Wunsch nach Bewahrung des gewohnten Lebensmusters, der Lebensqualität, der Eigenständigkeit und der Selbstbestimmung.
Dies setzt jedoch voraus, dass das Angebot am Markt in Punkto Anpassung des Wohnumfeldes und des Wohnraums, aber auch in einer wesentlichen Steigerung der personnennahen Dienstleistung, signifikant verbessert wird.
Quelle : Working Paper Nr. 70, Allianz Gruppe, David F. Milleker
Abteilung Humangeographie Universität Basel, Frau Prof. Dr. Schneider - Sliwa



